Vom Berufsbildungspass zur europäischen Jobbörse.

Erwin Kostyra, der neue Präsident der Europäischen Metall-Union im Interview.

Die Europäische Metall-Union ist ein Zusammenschluss europäischer Unternehmerverbände. Seine Mitglieder sind Metallverbände aus Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Italien und Ungarn. Die Europäische Metall-Union vertritt ca. 37.500 Unternehmen mit rund  480.000 Beschäftigten. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung am 28. August  2009 in Szekesfehervar (Ungarn) standen Neuwahlen an. Die EMU-Mitglieder wählten einstimmig den Berliner Unternehmer Erwin Kostyra zum Nachfolger des ausscheidenden EMU- Präsidenten Klaus Dann. Der Vizepräsident des Bundesverbandes Metallhandwerk in Essen hatte in den letzten Jahren den Berufsbildungsausschuss der Europäischen Metall-Union geleitet.

Herr Kostyra. Herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Präsident der Europäischen Metall-Union. Mit welchen Erwartungen und Plänen gehen Sie nun diese neue Aufgabe an?

Als Vorsitzender der Ausschusses Berufsbildung der Europäischen Metall-Union habe ich in den letzten Jahren nicht nur erfahren, wie wichtig die europäische Ebene heute für unsere Unternehmen ist. Ich habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir etwas erreichen können. Die EMU gibt es seit 55 Jahren, den Berufsbildungspass schon seit 10 Jahren. Aber jetzt erst, nachdem wir Gespräche mit Vertretern der EU zu unserem Berufsbildungspass geführt haben, ist die Europäische Kommission auf uns aufmerksam geworden. Inzwischen sind sogar Nichtmitglieder aus Europa daran interessiert an der Länderübergreifenden Vergleichbarkeit der Qualifikationssysteme mitzuarbeiten. Wir werden inzwischen nicht nur wahrgenommen sondern wurden auch bei der Durchführung einer Studie(Q4E) unterstützt. Ich hoffe, dass wir in Kürze die Finanzierungszusage für ein weiteres Projekt bekommen. Wir wollen den EMU-Berufspass weiterentwickeln. Er soll in Zukunft inhaltlich überarbeitet und elektronisch verfügbar sein.

Was haben die Unternehmen und die Mitarbeiter im Metallhandwerk in Europa von diesem Pass?

Der EMU-Berufspass ist der einzige Pass in Europa, der nicht nur Qualifikationen vergleichbar macht sondern auch den nächsten Schritt geht: Er bewertet sie. Unternehmer können so leichter feststellen ob potenzielle Mitarbeiter die notwendigen Qualifikationen haben. Die Sprachbarriere entfällt. Für Unternehmen und für Arbeitnehmer  ist es einfacher in europäischen Nachbarländern Arbeit zu finden oder grenzüberschreitend tätig zu sein. Vor allem in den vielen Grenzregionen in Europa ist das ein echter Fortschritt für alle. Damit fördern wir das Mobilitätsprinzip der Arbeitnehmer.

Was ist in nächster Zeit noch aus Brüssel zu erwarten?

Die neue, europäische Schweißnorm EN 1090 soll alle Schweißnormen ablösen, auch die deutschen DIN Normen (DIN 18800). Die EN 1090 ist sehr viel umfangreicher und ist in einer Übergangszeit europäisch einzuführen. Viele Betriebe in Deutschland erfüllen bereits Qualitätsstandards. Für andere Länder kann es ein eine Herausforderung werden die EN 1090 umzusetzen. Es ist wichtig, dass auch unsere EMU Kollegen in Zukunft intensiver in diese Entwicklungen eingebunden sind. Der Bundesverband Metall ist gut aufgestellt, da ein BVM-Mitarbeiter, Herr Zimmer, die Metallunion in dem europäischen Ausschuss vertritt und dort mitarbeitet.

Gibt es weitere Projekte, die Sie anstoßen wollen?

Ja. Wir haben in Berlin mit einem Austauschprogramm für Jugendliche in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich möchte die Ebenen des persönlichen Austausches zwischen Menschen und Unternehmen stärken und halte auch eine europäische Jobbörse und die Unterstützung von Kooperationen zwischen Unternehmen für sinnvoll. Das wird ein weiterer zukünftiger Arbeitsschwerpunkt sein. Gerade den Lehrlingen werden neben dem Kennenlernen eines anderen Landes auf der Arbeitsebene meist auch ihr Selbstbewusstsein gestärkt und damit Ängste genommen.

Kontakt
Erwin Kostyra ALUSTAHL - Metallbau
Erwin Kostyra
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