Stahlbau unter Extrembedingungen

„Das ist ein lebensfeindlicher Kontinent. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss dafür bezahlen.“ Thomas Kröger, 38 Jahre alt und Metallbauer, hat sich an die Regeln gehalten, die für ein Überleben in der Antarktis gelten. Zwei Mal hat er einen arktischen Sommer in der südlichen Eiswüste verbracht und als einer der Bauleiter an der Errichtung der  Neumayer III gearbeitet. 1400 Tonnen Stahl haben Thomas Kröger und seine sechs Kollegen von der niedersachsischen Firma Wurst-Stahlbau GmbH bei bis zu 20 Grad Minus verarbeitet. Das Metallbauunternehmen war Teil eines Bremerhavener Firmenkonsortiums. Es war beauftragt, den Stahlbau des spektakulären Gebäudes zu errichten und übernahm weitere Ingenieursleistungen.

Die Neumayer-Station III ist Deutschlands südlichster Forschungsstandort. Seit mehr als 25 Jahren liefert das Alfred-Wegener-Institut mit seinen wissenschaftlichen Observatorien in der Antarktis wichtige Beiträge für die Klimaforschung. Im Observatorium für Luftchemie werden Gase gemessen und die optischen und chemischen Eigenschaften von Aerosolen untersucht. Meteorologische Daten und Messwerte gehen in internationale Datenzentren ein. An der Neumayer-Station gibt es außerdem Observatorien für Geophysik, Infraschall und Unterwasserakustik.

Der Neubau dieser „Zweigniederlassung“ des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven war notwendig geworden, weil die Vorläuferstation Neumayer II immer weiter im Schnee versank. Neu entwickelte und patentierte hydraulische Stützen sorgen dafür, dass der Neumayer-Station III dieses Schicksal erspart bleiben wird. 

Selbst für Stahlbaumonteure, die es gewohnt sind, längere Zeit von zu Hause entfernt zu sein oder an ungewöhnlichen Orten und in großen Höhen zu bauen, war die Baustelle Neumayer-Station III eine echte Herausforderung. Fachlich, physisch, mental und menschlich.

Nur wer sich einer robusten Gesundheit erfreute, kam für den Einsatz überhaupt in Frage. Auch unbedeutende Krankheiten oder Verletzungen sind im Eis  lebensgefährlich.  Um den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten, mussten Thomas Kröger und sein Team von der Wurst-Stahlbau GmbH alle Materialen und Werkzeuge vor Ort haben. Nichts durfte fehlen.

Drei Monate im Eis, fern von der Familie und keine Abwechslung: Kein Fernsehen, keine Zeitungen, kein Radio, immer nur Arbeit und dieselben Gesichter. „Spätestens nach 14 Tagen hast du kein Privatleben mehr“, fasst Kröger diese menschliche Ausnahmesituation zusammen. Ein Knochenjob und das Leben auf engstem Raum. Die über 50 Personen starke Bautruppe musste gut versorgt werden. Das Transportschiff, das die Baumaterialien gebrachte hatte, war mit  3.500 Tonnen beladen. Darunter 50 Tonnen Nahrungsmittel. „Das war auch notwendig, denn wir mussten 5.000 Kalorien pro Tag zu uns nehmen, damit wir die Strapazen bei der Kälte überhaupt überstehen.“

Außenarbeiten sind nur im antarktischen „Sommer“ möglich. Sommer in der Antarktis, das bedeutet: Windgeschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten und Temperaturen von 0 bis 20 Grad Minus, 24 Stunden gleißend helle Sonne, und sehr selten die im Winter so gefährlichen Schneedriften. Schneestürme, die so heftig sind, dass man die Hand vor den Augen nicht sieht und sofort Gefahr läuft, sich zu verirren. Stahlbau in der Antarktis, das geht nur mit Handschuhen, Sonnenbrille und passender Schutzbekleidung. Auch wenn Feinmotorik erforderlich ist, müssen die Handschuhe anbleiben.

Was man sich kaum vorstellen kann, so Kröger, sei, wie warm es einem dort dennoch werden kann.  Trotz Temperaturen von deutlich unter 0 Grad. Die Luft, so Kröger, sei extrem trocken und die Sonne habe eine unglaubliche Kraft. Sobald sie scheine, taue alles sofort auf.

Gearbeitet wurde an der Neumayer III in zwei Schichten, rund um die Uhr. Es war immer hell. Alle Männer, so Kröger, hätten sich mit dem Bau identifiziert.  Anders wäre die enge Terminlage auch nicht einzuhalten gewesen. "Wir waren Mitte Dezember mit den Stahlbauarbeiten fertig“, erzählt der Stahlbauer. „und haben den Zeitplan bis auf einen halben Tag genau eingehalten, einschließlich der Verpackung aller Materialien.“ Auch danach gab es noch genug zu tun: „Anschließend sind wir den anderen Gewerken zur Hand gegangen, haben den Fassadenbauern geholfen, gingen den Heizungsbauern zur Hand oder haben Holzböden gelegt. Alles was ein guter Bauhandwerker noch so kann.“ 

Unvergesslich sind die arktischen Sonnenuntergänge, die Thomas Kröger abseits des Camps erlebte: „Nichts als Ruhe. Gar nichts. Die weiße Landschaft, ich und   unvorstellbar kräftige Farben. Licht, das sich in Spektralfarben auflöst. Einfach unglaublich!“

 

Kontakt

Fa. Wurst Stahlbau GmbH
Sandstrasse 41
D-49593 Bersenbrück
Telefon +49 (0)5439 / 9494-0
Telefax +49 (0)5439 / 9494-90
E-Mail: info@wurst-stahlbau.de

 

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