Wir fordern Mitsprache bei der Lösung der Finanzkrise
Interview mit Peter Mader, Präsident des Bundesverbandes Metall
Interview mit Peter Mader, Präsident des Bundesverbandes Metall zur Lage des Metallhandwerks in Deutschland. Das Metallhandwerk in Deutschland besteht aus rund 43.000 kleinen und mittleren Unternehmen, bildet 41.000 Lehrlinge aus, beschäftigt 420.000 Mitarbeiter und macht rund 50 Milliarden Umsatz.
Wie ist 2009 für die Unternehmen im Metallhandwerk gelaufen, Herr Präsident?
Peter Mader: Bis Mitte 2008 ging es den meisten Unternehmen gut bis sehr gut. Der Absturz erfolgte Ende 2008, Anfang 2009. Für die Unternehmen, die selbst international tätig sind oder anderen Exporteuren zuliefern - also vor allem die Feinwerkmechanik, die Maschinen- und Werkzeugbauer - ist die Lage am dramatischsten. Wir sehen dort Umsatzeinbrüche von bis zu 35 Prozent und wenn wir jetzt von Wachstum sprechen, so erfolgt dieses Wachstum auf einem dramatisch niedrigen Niveau. Den Metallbauern, dies ist die zweite große Handwerksbranche, die wir vertreten, geht es etwas besser. Die Metallbauer profitieren zum Teil vom Konjunkturpaket, aber weniger als wir erhofft hatten. Rund ein Drittel unserer Betriebe hat bisher das Instrument der Kurzarbeit genutzt. Aber es hilft alles nichts: Wenn die Einnahmen dauerhaft die Kosten nicht decken, müssen Stellen abgebaut werden. In Nordrhein Westfalen sind bisher rund zehn Prozent der Stellen weggefallen.
Wie ist Ihre Prognose für 2010?
Peter Mader: Wir hoffen, dass wir die Talsohle erreicht haben. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass es noch dauert, bis die Bereiche Feinwerkmechanik, Maschinen- und Werkzeugbau vom Stimmungsumschwung in der Industrie profitieren. Die Kuh ist also überhaupt noch nicht vom Eis, zumal wir noch nicht wissen, wann die Banken den Fuß von der Kreditbremse nehmen. Im Metallbaubereich sieht es etwas besser aus.
Was erwarten Sie von der Politik?
Peter Mader: Das sie nicht nur redet, sondern handelt und dass sie die Position der Realwirtschaft einnimmt, nicht die der Banken. Wir halten die Finanzierungsfrage noch immer für die Schlüsselfrage und wir sind in dieser Frage sehr aktiv gewesen. Erfolgreich haben wir im Zentalverband des Deutschen Handwerks auf die Dringlichkeit dieses Themas aufmerksam gemacht. Die Finanzierungen sind teurer geworden und schwieriger. Viele Unternehmen haben Probleme mit Lieferantenkrediten. Für die Betriebe, die mit einer niedrigen Eigenkapitaldecke und kurzfristigen Finanzierungen in die Krise hinein gegangen sind, ist die Lage kritisch.
Reichen die bereits ergriffenen Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise aus?
Peter Mader: Die Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden oder in der Pipeline sind, sehe ich kritisch. Ich verstehe nicht, warum die Bundesregierung als Mediator einen Banker genommen hat und nicht jemanden von der Unternehmerseite. Auch den Ackermann-Vorschlag, einen Fonds einzurichten, sehe ich kritisch. Erstens dauert es lange bis eine solches Vorhaben wirklich greift. Zweitens beweisen die Volksbanken, dass es auch anders geht. Und drittens ist die Idee der Beteiligung an Unternehmen zwar richtig, aber nicht, wenn diese Beteiligungen wieder alleine unter dem Regime der Banken erfolgen, die uns in die Krise gesteuert und auch heute offenbar immer noch nicht viel dazu gelernt haben. Wir fordern, dass der Fonds paritätisch besetzt und verwaltet wird. Der Sachverstand, zu beurteilen, ob ein Unternehmen in unserer Branche zukunftsfähig ist, liegt ganz sicher eher bei uns als bei den Banken. Auch das sollten wir aus der Krise lernen. Die EU hat inzwischen das Werkzeug des Globaldarlehens entwickelt und gibt damit mehr Verantwortung an die Betroffenen. Denn schließlich werden die Steuermittel, um die es hier geht, von der Realwirtschaft erarbeitet: von den Unternehmen und ihren Beschäftigten.
Es muss unbedingt verhindert werden, dass wir wegen Bankenversagen Arbeitsplätze in Bereichen abbauen müssen, denen es nicht an Kunden mangelt. Jeder Betrieb, der aus solchen Gründen aufgeben muss, ist einer zu viel. Dieses Kapital kann nicht ohne weiteres ersetzt werden, da ein guter Betrieb nicht einfach in wenigen Monaten oder Jahren nachwächst.
Welche Ziele verfolgt der Bundesverband Metall?
Peter Mader: Wir unterstützen die Betriebe bei der Lösung ihrer Probleme vor Ort und tun was wir können, um die Unternehmen durch die Krise zu bringen. Das fängt bei der Einflussnahme auf Recht und Normen an, reicht über Rechtsberatung im Verbund mit den Länderjuristen/innen und geht bis hin zur Qualifizierung und zu Hilfestellungen bei der Finanzierung. Da wir die Branche und ihre Probleme extrem gut kennen, vertreten wir die Interessen der Metallbranche im Handwerk auch in Berlin und in Brüssel erfolgreich. Im nächsten Jahr wollen wir noch schlagkräftiger werden. Deshalb gehen wir eine Organisationsreform an und werden 2010 neue Akzente setzen.
Vor wenigen Tagen hatten wir im ZDH ein Spitzengespräch mit den Bundesverbänden der Sparkassen, Volksbanken, Privat- und Bürgschaftsbanken. Wir konnten verdeutlichen, wo vor allem in der Feinwerktechnik - also im Maschinen- und Werkzeugbau - der Schuh gewaltig drückt. Gerade die Bürgschaftsbanken haben ihre Bereitschaft zu helfen inzwischen erklärt.
Überwiegt bei Ihnen der Optimismus oder der Pessimismus?
Peter Mader: Der Optimismus. Und nicht nur, weil Optimismus mir im Blut liegt. Die langfristigen Trends sind gut für uns. Metall bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Werkstoff. Außerdem sind wir gut darauf vorbereitet, auch mit anderen Werkstoffen zu arbeiten. In Sachen Klimawandel wird das Handwerk zu den Gewinnern gehören, denn im Rahmen des New Green Deal gibt es für uns viel zu tun. Das Wichtigste aber bleibt, dass wir auch in Zukunft in Europa die Avantgarde in Sachen Qualität und Könnerschaft bleiben. Deshalb setzen wir kompromisslos auf Aus- und Weiterbildung, auf Lebenslanges Lernen und Innovation.
Kontakt
Karlheinz Efkemann
Bundesverband Metallhandwerk
Tel: +49 (0) 201 89 619 14
Mail: karlheinz.efkemann@metallhandwerk.de
www.metallhandwerk.de
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