"Berliner Modell" stärkt Metallbetriebe
Maßgeschneiderte Kreditlinie für Auftragsfinanzierung: Interview mit Erwin Kostyra und Andreas Bergunde
Was war schwierig daran eine Bank zu finden, die dieses Produkt anbietet und mit Ihnen und der Innung gemeinsam anbietet?
Andreas Bergunde: Viele Banken haben sich aus der Mittelstandsfinanzierung total zurückgezogen. Es ist heute für Konsumenten einfacher einen Kredit für den Kauf eines Flachbildschirms zu bekommen, als für einen Handwerker ein Darlehen für die Auftragsfinanzierung. Die Banken sind übervorsichtig geworden und trauen dem Handwerk nicht viel zu. Aber wenn man dem Handwerk nichts mehr zutraut, dann haben wir bald alle ein Problem.
Erwin Kostyra: Die Banken sind inzwischen sehr weit weg von den Unternehmern. Die meisten Unternehmer kennen die Berater, die über Kredite entscheiden, persönlich gar nicht. Umgekehrt heißt das: die Bankberater können die Unternehmer und ihre Stärken und Schwächen nicht wirklich beurteilen. Nur durch Kriterien von Basel II und durch Branchenrisikobewertungen werden Kreditanträge nicht einfacher in der Bearbeitung und Bewertung. In Zeiten wie diesen erweist sich das als ein großes Problem für die mittelständische Wirtschaft und besonders für das Handwerk.
Warum?
Andreas Bergunde: Ich denke es liegt vor allem an der Finanzkrise. In Berlin spielt vielleicht auch noch die Entwicklung in der Nachwendezeit eine Rolle. Erst gab es einen Boom. Dann einen dramatischen Einbruch. Aus dieser Zeit stammt das Misstrauen der Banken. Sie haben nicht mitbekommen, dass die Lage heute wieder gut ist. Manche Handwerksbetriebe gingen aus diesen ganzen Turbulenzen geschwächt heraus. Die Eigenkapitaldecke ist dünn. Das wird dann zum Problem, wenn sie für die Bearbeitung der Aufträge so massiv in Vorleistung gehen müssen, wie das im Metallbau und im Maschinenbau der Fall ist.
Warum ist die Bank, mit der Sie zusammenarbeiten, eingestiegen?
Andreas Bergunde: Die größte Schwierigkeit war eine Bank zu finden, die bereit war, überhaupt ein Risiko einzugehen und die Interesse daran hat, Kunden im Handwerk zu gewinnen. Das hat eine gewisse Zeit gebraucht. Dann konnte ich die Bank davon überzeugen, dass das Handwerk eine gute Klientel ist. Die Banken waren nämlich mit ihren Einschätzungen in der Vergangenheit stecken geblieben. Sie hatten die positiven Veränderungen im Markt gar nicht mitbekommen. Das Produkt, das wir nun nutzen ist nicht wirklich neu. Aber es war nicht auf die Zielgruppe Handwerk zugeschnitten und auch nicht für die Auftragsfinanzierung. Wir brauchten ein Kreditangebot, das ganz kurzfristig entschieden wird. Wen die Unternehmen nicht kurzfristig eine Zusage bekommen, dann ist der Kunde weg.
Erwin Kostyra: Es hilft der Bank, dass Herr Bergunde und wir in die Antragstellung involviert sind, denn wir kennen die Unternehmen gut und haben selber ein Interesse daran, dass diese Finanzierungslinie für alle Beteiligten ein Erfolg ist. Wir können ein Stück weit das Vertrauen ersetzen, das die Banken in den Markt verloren haben und unsere Betriebe gezielter beraten und begleiten.
Kontakt
Dipl.-Ing. Erwin Kostyra
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Tel: +49(0)30 47 50 96 55
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