Die Wiespaten

Qualifizieren statt meckern.

Dirk Hentschel, Ausbilder bei der Huhle Stahl- und Metallbau GmbH, arbeitet gerne mit jungen Menschen. Und junge Menschen mögen ihn. Das Modellprojekt "Wiespaten", in dem er mitarbeitet, setzt neue Maßstäbe, wenn es um die Themen Migration,  Integration und Bildung geht. Zwei Jahre finanzieren Wiesbadener Unternehmen die Sprachförderung Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Zwei Jahre besuchen diese Jugendlichen freiwillig nachmittags Sprachförderunterricht und alle zwei Wochen "ihren" Betrieb. Dort lernen sie etwas über die Welt des Metallhandwerks und über die Welt der Produktion. Und sie haben - wie ihre Förderer - ganz offensichtlich Spaß daran.

Gutes Deutsch zu sprechen und zu schreiben, ist für den Schulerfolg und den beruflichen Ein- und Aufstieg von Migrantenkindern unverzichtbar. Das Modellprojekt "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" setzt genau hier an und geht darüber hinaus. Gefördert von der Mercator Stiftung, schlägt das Wiespaten-Projekt die Brücke zwischen SchülerInnen und der Wirtschaft. Unternehmen werden auf Zeit Paten und engagieren sich für die sprachliche und kulturelle Förderung von Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund.

Ein Junge und fünf Mädchen im Alter zwischen 13 und 14 hatten sich letztes Jahr gemeldet, als die Schule und das Unternehmen Huhle Stahl- und Metallbau das Projekt vor über einem Jahr den Schülern und Eltern der Wilhelm-Heinrich-von Riehl-Schule vorstellten. Dirk Hentschel: "Wir dachten, dass sich mehr Jungs melden würden. Aber die Mädchen sind eifriger, auch in der Werkstatt." Aus der Sicht des Ausbilders gelingt das Modellprojekt sehr gut: "Die Mädchen haben große Freude an der Arbeit. Ich bin ganz überrascht. Ob sie irgendwann eine Lehre im Metallhandwerk machen, wissen wir nicht. Dazu sind sie einfach noch zu jung." Ein Schuljahr haben die Paten und ihre Patenkinder inzwischen gemeinsam gestaltet. Alle zwei Wochen waren die Mädchen und der Junge in der Werkstatt von Huhle Stahlbau aktiv. "Letztes Jahr haben wir einen Kerzenständer gebaut" erzählt Ausbilder Hentschel, "dieses Jahr bauen die Schüler einen Cityroller." 1250 Euro zahlt das Patenunternehmen, damit die Patenkinder sprachlich vorankommen und dann gibt es da auch noch den Aufwand im Betrieb.

Was, so fragen wir nach, hat eigentlich das Unternehmen Huhle davon? Dirk Hentschel hat sofort eine Antwort parat: "Was wir davon haben? Wir engagieren uns gerne. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Ich finde es toll, mit den jungen Menschen zu arbeiten, ihnen zu zeigen: So sieht die Welt aus. Es ist so wichtig, dass Schüler die Erfahrung machen: Wir werden ernst genommen und gebraucht. Man kann nicht nur über Jugendliche meckern und tut dann nichts für sie." Würde er noch einmal die Patenschaft übernehmen wollen? Dirk Hentschel: "Auf jeden Fall."

Für ihr Engagement in der Ausbildung, ist das Unternehmen Huhle in Wiesbaden bekannt. Immer wieder gingen Auszubildende als Landes- und Bundessieger aus Wettbewerben hervor.

Was ist das Geheimnis einer guten Ausbildung? Ausbilder Hentschel: "Man muss sich für die Auszubildenden Zeit nehmen und man braucht ein gutes Konzept. Wir lassen den Jugendlichen in den ersten Monaten Zeit zum Üben. Sie lernen das Material kennen, sie akklimatisieren sich im Betrieb, lernen exakt zu arbeiten, mit dem notwendigen Feingefühl. Anschließend gehen sie in den Betrieb, helfen bei der  Produktion und können schon kleine Aufgaben selbstständig erfüllen. In unseren drei Werkstätten: Stahlbau, Edelstahl und Blechverarbeitung bleiben die jungen Leute jeweils vier Monate und lernen auf diese Weise alle Kollegen kennen. Im zweiten Lehrjahr helfen wir den Auszubildenden, sich auf den ersten Teil der Gesellenprüfung vorzubereiten. Das erklärt zum Teil auch ihren Erfolg in der Prüfung. Sie lernen Zeichnungen verstehen, sich einen Fahrplan für die Umsetzung zu machen, die Arbeit einzuteilen, also ein systematisches Vorgehen. Ganz besonders wichtig, erklärt Dirk Hentschel, sei aber der Umgang mit den Jugendlichen. "Man muss sie ernst nehmen. Gegenseitiger Respekt und die Fähigkeit, Fehler zuzugeben will gelernt sein." Das gelte gerade dann, wenn die Jungen und Mädchen eine schwächere Phase haben. Hentschel: "Wir fragen uns, wie man die jungen Menschen neu motivieren kann. Wir sprechen miteinander. Ich versuche ihre Lage zu verstehen. Die Auszubildenden müssen spüren: "Ich bin ein Mensch. Ich gehöre dazu." Wir sind ein Team, ganz egal welche Stellung wir im Betrieb haben. Teamgeist steht in unserem Betrieb ganz oben."

Kontakt
Dirk Hentschel
Huhle Stahl- und Metallbau GmbH
Oliver Huhle
Hagenauer Str. 25
65203 Wiesbaden
Tel.: +49 (0) 611 96 777-0
E-Mail: huhle@huhle-stahlbau.de
www.huhle-stahlbau.de

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